„Familienhafte Mitarbeit“ – klare Regeln für kurzfristige Beschäftigung naher Angehöriger


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„Familienhafte Mitarbeit“ – klare Regeln für kurzfristige Beschäftigung naher Angehöriger.

 Wenn Verwandte „aushelfen“ …

Ist plötzlich mehr los als gedacht, springen in kleinen oder mittelständischen Unternehmen – vor allem in Familienbetrieben – häufig Verwandte als kurzfristige Helfer ein. Bisher gab es allerdings keine klaren Regeln, welche Angehörige (und unter welchen Umständen) unentgeltlich mitarbeiten dürfen, ohne dadurch ein Versicherungsverhältnis zu begründen. Deshalb haben Hauptverband der Sozialversicherungsträger, Finanzministerium und Wirtschaftskammer jetzt ein akkordiertes Merkblatt über diese „familienhafte Mitarbeit“ präsentiert.

DIE BASICS

Ehegatten und eingetragene Partner

Für beide gilt die so genannte eheliche Beistandspflicht. Die (unentgeltliche) Mitarbeit im Unternehmen gilt als Regelfall. Hier wird also nur in Ausnahmefällen ein Dienstverhältnis vorliegen. Ein solches wird bei Ehegatten/eingetragenen Partnern nur angenommen, wenn ein schriftlicher Vertrag vorliegt und die Vereinbarung einem Fremdvergleich standhält (also auch mit einem fremden Dritten so abgeschlossen worden wäre).

 Lebensgefährte

Für Lebensgefährten besteht zwar grundsätzlich keine eheliche Beistandspflicht. Ein Dienstverhältnis wird aber auch hier als Ausnahme angesehen. Es gelten dieselben Regeln wie für Ehegatten.

Kinder (auch Adoptiv- und Stiefkinder)

Wurde nichts anderes vereinbart und das Kind hat grundsätzlich einen anderen Beruf, in dem es vollversichert ist, oder es geht noch zur Schule oder absolviert ein Studium, geht man von Mitarbeit aufgrund familiärer Beziehung aus. Ein Dienstverhältnis wird in diesem Fall nicht unterstellt.

Aber Achtung! Die Sozialversicherung will dennoch ihre Beiträge: Das Kind muss angemeldet werden und als monatliche Beitragsgrundlage gelten bei Unentgeltlichkeit fiktiv 782,70 Euro (2016). Als Alternative zur Vollversicherung könnte ein geringfügiges Dienstverhältnis (2016: 415,72 Euro) vereinbart werden.

Wird aber mit Kindern ein Dienstverhältnis vereinbart, muss dieses fremdüblichen Konditionen entsprechen. Ein voll versicherungspflichtiges Dienstverhältnis liegt vor, wenn das Kind

  • älter als 17 Jahre ist,
  • hauptberuflich keiner anderen Erwerbstätigkeit nachgeht, nicht studiert, in die Schule geht oder in Berufsausbildung ist,
  • nicht in einem land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb beschäftigt und
  • regelmäßig im Betrieb der Eltern tätig ist.

Eltern, Großeltern, Geschwister

Kein Dienstverhältnis liegt vor, wenn diese auf Grund

  • einer anderen Erwerbstätigkeit vollversichert sind oder
  • eine schulische Ausbildung, Berufsausbildung oder ein Studium absolvieren oder
  • eine Eigenpension oder ein vergleichbarer Ruhe- bzw. Versorgungsgenuss besteht und
  • eine kurzfristige Tätigkeit vorliegt

 Sonstige Verwandte

Je entfernter die Verwandtschaft, desto eher ist ein Dienstverhältnis anzunehmen. Wenn jedoch (nachweislich) Unentgeltlichkeit vereinbart wurde, wird bei kurzfristiger Tätigkeit nicht davon auszugehen sein.

Tipp

Schließen Sie eine schriftliche Vereinbarung ab, die nachweist, dass die Hilfe unentgeltlich erfolgt. Eine Mustervereinbarung dazu finden Sie unter anderem unter www.sozialversicherung.at (Dienstgeber / Grundlagen A-Z / Familienhafte Mitarbeit in Betrieben).

Gesellschaften

Alle genannten Ausführungen gelten nur für Verwandte von Einzelunternehmen oder von Gesellschaftern einer OG, GesbR und dergleichen. In Kapitalgesellschaften (GmbH, GmbH & Co KG, AG) ist familienhafte Tätigkeit grundsätzlich ausgeschlossen. Hier müssen im Einzelfall beurteilt werden, ob die Mithilfe naher Angehöriger die Voraussetzungen eines Dienstverhältnisses erfüllt.

Quelle: SVA, November 2016

Mit besten Grüßen

Christine Casapicola

Wien, im Dezember 2016

 

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